Diese bösen Menschenrechte

Erstmal heiße ich alle meine Leser willkommen, sorry, dass es in den letzten Wochen keine Updates gab, aber ich habe einen sehr inspirierenden Urlaub in einem arabischen Land erlebt, das erst kürzlich einen Tyrannen gestürzt hat und dabei ist, seine Freiheit wieder zu erlangen. Dafür wird es jetzt wieder weiter gehen, und nachdem sich in letzter Zeit auch ein paar bedeutsamere Dinge getan haben (*hust*), werde ich eventuell auch das eine oder andere etwas ältere Posting meiner „Lieblinge“ betrachten und zerlegen.

Aber gleich mal zum neuesten: Aron Sperber brüskiert sich darüber, dass europäische Intellektuelle doch tatsächlich eine Universalität der Menschenrechte einfordern, dass diese für alle zu gelten haben, selbst für die größten und schlimmsten Terroristen und Feinde unserer Gesellschaft. Und genau das ist das, was Aron fundamental nicht verstanden hat, nämlich die Universalität: Menschen- und Grundrechte gelten für jede Person, ausnahmslos. Wenn wir für „besonders schlimme“ Feinde nun Ausnahmen machen würden, wer würde denn bestimmen, wer ein „besonders schlimmer Feind“ ist? Bei einer Zwei-Klassen-Justiz, wer trifft dieser Unterscheidung? Wer kann garantieren, dass gezielte Tötungen in unserer westlichen Gesellschaft nicht auch gegen anderweitige „Staatsfeinde“ angewandt werden? Und genau das ist die Gefahr, ein Dammbruch, die Erosion von Menschenrechten.

Abgesehen davon meine ich, dass die gezielte Tötung von Osama bin Laden im historischen Kontext ein äußerst schlechtes Vorgehen war. Was wurde mit den Nazi-Führungsriege gemacht? Die wurden, sofern sie noch lebten, allesamt vor Gericht gestellt und verurteilt (die meisten, wenn auch nicht alle, zum Tode). Was wurde mit dem Holocaust-Logistiker Eichmann gemacht? Der wurde ebenfalls vor ein Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Bei beiden Prozessen wurden nicht nur die Verbrechen aufgearbeitet , sondern auch Unmengen an historischen äußerst wertvollen Aussagen und Materialien gesammelt.

Aber wieder zurück zum Thema Aron Sperber: nicht nur, dass er den Universalismus der Menschenrechte bestreitet und als europäische Dekadenz verurteilt, nein, er lebt auch seine bereits früher gezeigten Vorurteile wieder aus:

So schieben wir Islamistische Terroristen nicht in ihre Herkunftsländer ab, weil ihnen dort eventuell eine „unmenschliche Behandlung“ drohen könnte.

Wenn denn Personen tatsächlich bewiesenermaßen Terroristen sind, dann sind sie natürlich vor ordentliche Gerichte zu stellen. Und die Flüchtlingskonvention, die ja greift bei Personen, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden und denen der Flüchtlingsstatus zukommt, ist – oh Wunder – ebenfalls universell geltend. Tatsächlich hat Aron Sperber aber sowieso ein Idealbild des Asylsystems in Europa (bzw. Pessimalbild aus seiner Sicht), denn es gibt etliche dokumentierte Fälle, wo real verfolgte Personen trotzdem abgeschoben wurden.

So erlauben wir unter dem Deckmantel des Rechts auf Familienleben, dass unsere türkischen Mitbürger minderjährige Bräute in arrangierten Ehen nach Europa importieren.

Aron kennt das Asylsystem nicht, das ist nämlich deutlich schwieriger als er annimmt. Selbst für EU-Staatsbürger mit Ehepartnern aus Drittstaaten ist es schwierig genug. Aber Hauptsache Aron pflegt seine Vorurteile, es würde eine Massenimmigration von arrangierten Kinderbräuten geben.

So erlauben wir unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Imamen, unbegrenzt zuzuwandern, um dafür zu sorgen, dass die Integration in die Umma – und nicht in die Aufnahmeländer – bestens klappt.

Aron muss einfach anerkennen, dass der Islam nun schon seit etwa 100 Jahren eine in Österreich voll anerkannte Religionsgemeinschaft darstellt, und Imame erhalten dafür für ihre religiöse Tätigkeit einen Aufenthaltstitel, der noch dazu zeitlich begrenzt ist. Außerdem ist er an die Erfüllung der Integrationsvereinbarung gebunden. Ergo: eine unbegrenzte Zuwanderung von sich nicht integrierenden Imamen gibt es in Österreich einfach nicht, sondern entspringen der fremdenfeindlichen Fantasie von Aron Sperber.

Als Vergleich zu den Imamen kann man übrigens die seit Jahrzehnten andauernde Praxis hernehmen, den immer weiter zunehmenden Schwund an Priestern in der römisch-katholischen Kirche über das Ausland auszugleichen. Polen war da ja zeitweise sehr beliebt. Haben wir eine große Polenschwemme erlebt? Wurde Österreich „polakisiert“? Offenbar nein.

Wir Europäer sind leider schon so dekadent, dass wir uns unsere Islamisierung redlich verdient haben.

Welche Islamisierung? 🙂 Wer sich die Statistiken ansieht, wird merken, dass sowohl die Zahl der Muslime in Österreich als auch die der türkischen Staatsbürger in Österreich schon seit langer Zeit nur gering steigen bzw. relativ gleich bleiben. Die Zuwanderer und Gastarbeiter der ersten Generation sind mittlerweile alt, und wandern zu einem gewissen Teil wieder in ihre Ursprungsländer zurück, um dort ihren Lebensabend zu verbringen.

Und zur Dekadenz… wenn der Aron Sperber meint, universelle Grundrechte und das konsequente Einstehen dafür wären dekadent, dann hat er ein paar grundlegende Lehren der Aufklärung einfach nicht verstanden.

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3 Antworten zu Diese bösen Menschenrechte

  1. Tom schreibt:

    Welche Islamisierung? 🙂 Wer sich die Statistiken ansieht, wird merken, dass sowohl die Zahl der Muslime in Österreich als auch die der türkischen Staatsbürger in Österreich schon seit langer Zeit nur gering steigen bzw. relativ gleich bleiben.
    ………………………………………………………………
    Dummdreiste Lüge die man mit einem Blick in die Stastistik leicht wiederlegen könnte ,Österreich hatte in den letzten 10 Jahren 40 tausend hochgefärlicheb Tschtschenen Asyl gewährt…geschweige denn von anderen moslems..

  2. Pingback: Unschuldsvermutung? Nicht für Guantanamo-Insaßen | Aron Speiber

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